www.lex-icon.eu   Stephen Crane


1871 in Newark, New Jersey, als jüngstes von vierzehn Geschwistern geboren, war das Kind eines Methodistenpredigers und einer sozial engagierten Mutter und Verfasserin religiöser Artikel. Während seiner Ausbildung am Hudson River Institute and Claverack College entwickelte er Interesse am Militär und am amerikanischen Bürgerkrieg und schrieb erste Beiträge als freiberuflicher Autor für den Nachrichtendienst seines Bruders. Sein Studium an der Syracuse University brach er 1891 ab, um sich als Reporter für die New York Tribune sozialen Themen zu widmen. Eine erste Erzählung, Maggie, über die Welt der Elendsquartiere in New York, die wegen der realistischen Schilderungen als vulgär galt und zunächst keinen Herausgeber fand, erschien 1893 im Eigenverlag, wurde 1896 aber schließlich in einer abgemilderten Form veröffentlicht, nachdem ihn sein zweiter Roman, The Red Badge of Courage (Die rote Tapferkeitsmedaille), dessen Handlung in der Zeit des Bürgerkriegs angesiedelt ist, über die Vereinigten Staaten hinaus bekannt gemacht hatte.

Nach dem Erscheinen eines Gedichtbands mit dem Titel The Black Riders, and Other Lines 1895 und Reisen als Reporter, die ihn in den Westen der USA und nach Mexiko führten, entstand in New York The Third Violet über das Leben der Boheme in der Stadt. 1897 begegnete Crane Cora Taylor, Besitzerin eines Stundenhotels mit Nachtclub, mit der er 1897 nach England fuhr, wo sie in einem literarischen Freundeskreis verkehrten, dem u.a. Joseph Conrad, H.G. Wells und Henry James angehörten. Um ihr Leben finanzieren zu können, berichtete Crane aus der Karibik über den Spanisch-Amerikanischen Krieg (April-August 1898) und verarbeitete seine Erfahrungen aus dem sog. 30-Tage-Krieg zwischen Griechenland und dem Osmanischen Reich in Active Service (1899). Während er mit seinen Romanen nicht mehr an den Erfolg der Roten Tapferkeitsmedaille anknüpfen konnte, verschlechterte sich sein Gesundheitszustand aufgrund einer Lungenerkrankung.

The Open Boat beruht auf dem Schiffbruch, den Crane 1897 vor der Küste Floridas, unterwegs zu den amerikanischen Umstürzlern auf Kuba, erlitt. Die Erzählung begründet seinen Ruf als Verfasser von Kurzgeschichten, den er nach Auffassung der Kritiker als Autor von Romanen letztlich nicht einzulösen vermochte. 1899 kehrte Crane verschuldet und körperlich stark angegriffen nach England zurück, um als Autor für englische Magazine den Lebensunterhalt zu bestreiten. Nach einer ausschweifenden Weihnachtsfeier mit anderen Autorenfreunden erlitt er allerdings kurz darauf einen Blutsturz, von dem er sich zwar soweit erholte, daß er in der Lage war, seine Arbeit an einem neuen Roman, The O'Ruddy, fortzusetzen und Pläne für Reisen nach Gibraltar und St. Helena zu machen. Nach einem Rückfall im Frühjahr fuhr das Paar zur Behandlung nach Badenweiler, wo er am 5. Juli 1900 starb. Cora Taylor überführte seinen Leichnam nach New Jersey, um ihn in Hillside zu bestatten.

 
 
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