www.lex-icon.eu   M. Dermoût Helena Anthonia Maria Elisabeth Dermoût-Ingerman
am 15. Juni 1888 in Pekalongan, Java, geboren, entstammte einer niederländischen Familie, die über vier Generationen in Niederländisch-Indien, zuletzt auf der Zuckerplantage Redjosari, lebte.
Nach ihrem Besuch des Gymnasiums in Haarlem in den Jahren 1900-1905 kehrte sie nach Indonesien zurück und heiratete 1906 den Jurist Isaac Dermoût, mit dem sie bis zu seinem Tod 1951 zusammenlebte. Nach seiner Pensionierung 1933 verließ das Ehepaar die Kolonie in Richtung Niederlande, wo mit der Veröffentlichung von Nog pas gisteren (Erst gestern noch) 1951 bei Querido ihre eigentliche, späte Karriere als Schriftstellerin begann.
Obwohl sie schon 1908 zu schreiben begonnen hatte und Erzählungen sowohl in indonesischen als auch niederländischen Zeitschriften erschienen waren, brachte sie ein umfangreiches Konvolut unveröffentlichter Manuskripte mit, worunter sich auch die erwähnte lange Erzählung befand, die sogleich großen öffentlichen Anklang fand und in mehrere Sprache übersetzt wurde.
Nog pas gisteren handelt von den Erinnerungen eines jungen Mädchens an die letzten Jahre im Elternhaus auf einer Zuckerrohrplantage in Zentraljava, bevor es auf eine Schule nach Holland geschickt wird.
1943 in den Niederlanden geschrieben, beschreibt der Text aus der naiven, dennoch aufmerksamen Wahrnehmung des Kindes die Stimmung in der tropischen Kolonie, die von Melancholie und Vergänglichkeit durchdrungen ist. Insofern ist es weder ein Wunder noch zufällig, daß der Text (erst) 1951 mit großem Erfolg erschienen ist, als das Ende des 'Goldenen' kolonialen Zeitalters unabwendbar war.
Einen noch größeren internationalen Erfolg erzielte Dermoût mit Die zehntausend Dinge (1955). Der Roman, den sie ebenfalls vor dem Krieg begonnen hatte, ist auf den Molukken angesiedelt, wo sich Dermoût mit ihrem Mann von 1910 bis 1914 auf Ambon aufhielt.
Nicht ganz frei von Verklärung greift Dermoût auf die eigene Erfahrung zurück, um detailreich die Außenwelt zu beschreiben, in der sich die Niederländer eingerichtet haben, sowie die psychische Disposition der spätkolonialen Protagonisten. Ähnlich wie Louis Couperus gelingt es ihr, das Geheimnisvolle, bisweilen Bedrohliche des Fremden mitzuteilen.
 
 
  ©2011 ultramarin