www.lex-icon.eu   Maria Dermoût Erst gestern noch
  Auf Java, irgendwo auf Zentral-Java in den Bergen zwischen Lawu und Wilis, doch mehr in Richtung Lawu, lag inmitten eines ummauerten Gartens unter dunklen grünen Bäumen ein Haus.
   Übertags, im gleißenden Sonnenlicht, war es äußerlich vor allem ein häßliches Haus, weißgekalkt mit schwarzgeteerten Rändern, mit ausdruckslos grauen Fensterläden und einem über die Zeit hin völlig durchgesackten, verwitterten Ziegeldach; abends machte es noch etwas her. Drinnen war das Haus gleich schön und still und recht kühl.
   Zu dem Haus gab es zwei Zufahrten. Eine mit Königspalmen, schlank aufragend und herablassend, wenngleich sie mit ihren glatten gelben Stämmen und schmalen raschelnden Blättern, die sich im Wind wiegten, kaum Schatten spendeten. Auf der anderen, der Kenaribaum-Allee von einst, blieb es den ganzen stickendheißen Tag hindurch unter den alten bemoosten Bäumen feucht und schattig grün.
   Vor dem Haus erstreckte sich ein großes rundes Grasfeld mit einer steifen, spitzigen Aloe in der Mitte und einem Kranz roter Krokusse drumherum.
   Zwei geschwungene weißmarmorne Treppen führten vom Garten zur offenen vorderen Galerie, ebenfalls mit einem Fußboden aus weißem Marmor; und in dem weißen Boden war, in schwarz, ein siebenzackiger Stern eingelegt. Dicke runde, weißverputzte Säulen mit rechteckigen Basen und Kapitellen trugen an der Vorderseite das Dach. Eine innere Galerie, eine geschlossene rückwärtige Galerie mit beiderseits vier nebeneinanderliegenden Zimmern, und dann wieder, über die ganze Breite des Hauses wie an der Vorderseite eine offene Galerie mit steinernen Säulen und Treppen zum Garten. Die grauen Jalousietüren im Innern des Hauses wurden nie geschlossen; in den Türöffnungen schwangen kleine mit schwarzer Seide bespannte Windfangtüren, die jedesmal in ihren Federn quietschten, sobald jemand vom einen Zimmer ins andre ging. Es waren Singapur-Türen, auf deren schwarzer Seide goldene Kranichen gestickt waren.
   Der Stolz des Hauses war indes der Fußboden.
. . .
. . .
  aus dem Niederländischen: Nog pas gisteren, in: Verzameld Werk, Amsterdam [Em Querido] (1951) 1982
 
Format kB Seiten
mobi (Kindle) 380   5,00
epub 205   5,00
pdf 520 65 5,00
©2011 ultramarin Bestellung - bestelling - ordering: order[at]ultramarin.nl